Wenn ich auf das Geschäftsjahr 2025 zurückblicke, dann ist es vor allem ein Jahr, in dem wir gezeigt haben:
Die Spitex Biel-Bienne Regio AG ist nicht nur in der Lage, sich an ein anspruchsvolles Marktumfeld anzupassen – sie gestaltet es aktiv mit.
Wir haben strategisch Wichtiges in Bewegung gesetzt, finanziell deutlich an Stabilität gewonnen und unsere Position als verlässliche, gemeinnützige Versorgerin im zweisprachigen Grossraum Biel konsolidiert.
Dies ist das Ergebnis vieler Hände, vieler kluger Köpfe und einer Geschäftsleitung unter Christoph Napierala die mit Augenmass, Mut und Klarheit führt. Ich danke ihm und seinem Team von Herzen.
Übernahme der Provitas Spitex AG
Per 1. Januar 2025 hat unsere Trägerorganisation, der Verein Spitex Biel-Bienne Regio, die Provitas Spitex AG übernommen. Aus Sicht des Verwaltungsrates der Betriebs-AG ist diese Akquisition mehr als eine Marktbereinigung – sie ist ein klares Bekenntnis zu einer integrierten, kooperativen Versorgungslandschaft. Provitas behält ihre eigene Marke, ihre Mitarbeitenden, ihre Verträge und ihre Kultur. Was sich ändert, ist die Möglichkeit, gemeinsame Stärken zu nutzen – in der Administration, im Personalmarketing, in der Weiterbildung, in der Qualitätssicherung. Wir sehen Provitas als Partnerin auf Augenhöhe, nicht als Übernahmeobjekt.
Robuste Partnerschaft mit dem Spitalzentrum Biel
Die zweite, weitreichende Weichenstellung ist die Partnerschaft mit dem Spitalzentrum Biel (SZB). Nach der finanziellen Unterstützung der Provitas-Übernahme im Frühjahr 2025 hat der Verwaltungsrat in enger Abstimmung mit dem Verein als Hauptaktionär entschieden, dem Spitalzentrum Biel eine Minderheitsbeteiligung von 33 Prozent an der Spitex Biel-Bienne Regio AG einzuräumen. Dieser Schritt ist das Ergebnis eines mehrjährigen Strategieprozesses. Wir kennen einander, wir vertrauen einander, und wir teilen die Überzeugung, dass die Schnittstelle zwischen stationärer und ambulanter Versorgung der Schlüssel zu einer modernen, finanzierbaren und menschennahen Gesundheitsversorgung ist.
Konkret bedeutet das: bessere Patientenübergaben, weniger unnötige Hospitalisationen, gemeinsame Modelle für Hospital@Home und mobile Palliativversorgung, abgestimmte Behandlungsentscheide und sichere Medikation. Das SZB unterstützt uns zudem bei der Rekrutierung und mit Weiterbildungsangeboten – Themen, die im angespannten Bieler Arbeitsmarkt zentral sind. Umgekehrt profitiert das Spitalzentrum von einer leistungsfähigen, qualitätsorientierten ambulanten Nachsorge, gerade angesichts des Trends zur Ambulantisierung. Es ist eine Partnerschaft, in der beide Seiten gewinnen – und mit ihnen die Patientinnen und Patienten.
Zuschlag in der WTO-Ausschreibung 2026-2029
Im Juni 2025 hat das kantonale Gesundheitsamt die Zuschlagsentscheide für die Leistungsverträge zur Versorgungssicherheit in der ambulanten Pflege 2026-2029 veröffentlicht. Wir freuen uns sehr, dass uns die GSI mit der Versorgungspflicht für unsere Region erneut betraut hat. Damit ist die langfristige Versorgung im Perimeter Biel-Bienne – und im erweiterten Wirkungskreis nach der Konsolidierung von 47 auf 17 Spitex-Regionen – gesichert. Wir verstehen diesen Zuschlag als Vertrauensbeweis und als Verpflichtung zugleich.
Das Geschäftsjahr 2024 hatten wir mit einem Verlust von rund 276'000 Franken abgeschlossen. Für 2025 hat sich der Verwaltungsrat ein ambitioniertes, aber realistisches Ziel gesetzt: Trendumkehr bei gleichbleibender Pflegequalität. Dieses Ziel haben wir erreicht – und übertroffen. Dank konsequenter Sparpolitik, optimierter Einsatzplanung, einem schlankeren Skill- und Grademix sowie zusätzlichen Erträgen aus der erweiterten Region konnten wir das Resultat gegenüber dem Vorjahr um rund 400'000 CHF verbessern.
Diese Trendwende ist die Frucht harter Arbeit – und sie ist umso bemerkenswerter, als sie unter weiterhin schwierigen Rahmenbedingungen erzielt wurde: Die Restkostenfinanzierung des Kantons Bern wird seit Jahren leicht reduziert, die Tarife in der Kinderspitex stehen unter Druck, und der Wettbewerb durch private Anbieter bleibt intensiv. Dass wir trotzdem die Wende geschafft haben, zeigt: Unser Geschäftsmodell ist tragfähig, wenn wir es konsequent führen. Die Geschäftsleitung um Christoph Napierala hat hier Aussergewöhnliches geleistet.
Das Jahr 2025 brachte wichtige Klärungen auf der politischen Ebene. Wir nehmen die öffentliche Debatte über die Zusammenarbeit der Berner Gesundheitsdirektion mit den Leistungserbringern aufmerksam wahr. Die Themen sind real: steigende Kosten, steigende Prämien, ein Fachkräftemangel, der sich verschärft. Wir sehen uns hier als konstruktive Partnerin der Politik – nicht als Mahnerin von der Seitenlinie. Die Konsolidierung der Versorgungsperimeter, die strengeren Anforderungen an Qualität und Transparenz, und die Klärung der Tarife für pflegende Angehörige (14.50 Franken Kantonsbeitrag pro Stunde ab 1.1.2026) gehen alle in die richtige Richtung. Sie schaffen faire Wettbewerbsbedingungen und stellen die Versorgung in den Mittelpunkt.
Wir haben den Bereich der pflegenden Angehörigen vernünftig und professionell aufgebaut: mit verpflichtender Schulung über den SRK-Pflegehelfer-Kurs, mit fester fachlicher Begleitung durch Pflegefachpersonen und mit klaren Qualitätsstandards. Bei uns geht es nicht um maximale Marge, sondern um bestmögliche Pflege für vulnerable Menschen, die zu Hause bleiben wollen. Dass der Kanton hier nun einen einheitlichen Rahmen schafft, begrüssen wir ausdrücklich.
Die personelle Situation hat sich 2025 stabil und positiv entwickelt. Mit den im Vorjahr eingeführten Verbesserungen der Anstellungsbedingungen – einer zusätzlichen Ferienwoche, der Möglichkeit zum Kauf weiterer Ferientage, einem moderneren Erscheinungsbild – haben wir uns als attraktive Arbeitgeberin im umkämpften Bieler Markt gut positioniert. Die üblichen Herausforderungen bleiben: Fachkräftemangel in der Pflege, ein hart umkämpfter zweisprachiger Arbeitsmarkt, und die ständige Aufgabe, Mitarbeitende nicht nur zu gewinnen, sondern auch langfristig zu binden. Hier hat das HR-Team unter Michaël Studer im Berichtsjahr beachtliche Arbeit geleistet.
Was uns durch alle strategischen und finanziellen Diskussionen trägt, ist die wohlwollende Haltung der Bevölkerung im Grossraum Biel. Die Menschen in unserer Region wissen, was sie an einer öffentlichen, gemeinnützigen Spitex haben: eine verlässliche Partnerin, die zu ihnen nach Hause kommt – auch dann, wenn der Weg weit, das Wetter schlecht oder die Situation komplex ist. Wir hören dieses Vertrauen aus den Rückmeldungen unserer Klientinnen und Klienten, aus den Gesprächen mit Hausärztinnen und Sozialdiensten, aus den vielen Spenden und Mitgliederbeiträgen. Wir nehmen dieses Vertrauen sehr ernst.
Unser Ziel für die kommenden Jahre ist klar formuliert: Wir wollen die integrierte Versorgung im Grossraum Biel weiter ausbauen, mit einem ausgeprägten zweisprachigen Fokus, in einer Region, die sich durch ihre besondere kulturelle und sprachliche Identität auszeichnet. Alle Partner – Hausärztinnen und Hausärzte, Spitäler, Pflegeheime, Tagesstätten, Pro Senectute, soziale Dienste, andere Spitex-Organisationen – stehen für uns gleichberechtigt im Zentrum. Kooperation ist für uns kein Schlagwort, sondern Arbeitsprinzip. Auch unsere Mitbewerberinnen und Mitbewerber im privaten Spitex-Bereich sind willkommene Gesprächspartner. Es gibt für alle genug zu tun – und es gibt vieles, was wir gemeinsam besser machen als getrennt.
Mein Dank gilt allen Mitarbeitenden, die sich Tag für Tag mit Hingabe für unsere Klientinnen und Klienten einsetzen. Sie sind das Herzstück dieser Organisation. Ein herzliches Dankeschön gilt auch der Geschäftsleitung, dem Vereinsvorstand, den Mitgliedern des Verwaltungsrates, unseren Partnern – allen voran dem Spitalzentrum Biel – sowie der Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion des Kantons Bern für die konstruktive Zusammenarbeit.
Marc R. Bercovitz
Präsident Verwaltungsrat Spitex Biel-Bienne Regio AG